Viele Menschen erleben die notarielle Beurkundung als den eigentlichen Abschluss eines Rechtsgeschäfts.
Tatsächlich beginnt die Arbeit des Notars häufig erst danach.
Während die Beteiligten die Kanzlei verlassen, sorgt der Notar im Hintergrund dafür, dass die beurkundeten Erklärungen rechtlich wirksam umgesetzt werden. Je nach Art der Urkunde sind hierfür zahlreiche weitere Schritte erforderlich.
Besonders bei Immobilienkaufverträgen, Testamenten, Erbverträgen oder Gesellschaftsgründungen übernimmt der Notar wichtige Aufgaben, die für die Beteiligten oft unsichtbar bleiben.
Endet die Arbeit des Notars mit der Unterschrift?
Nein.
Die notarielle Beurkundung ist in vielen Fällen lediglich der erste Schritt.
Nach der Unterzeichnung beginnt der sogenannte Vollzug der Urkunde.
Hierbei sorgt der Notar dafür, dass:
- gesetzliche Voraussetzungen erfüllt werden,
- erforderliche Genehmigungen eingeholt werden,
- Registereintragungen erfolgen,
- Eigentumsrechte übertragen werden,
- die Urkunde ihre rechtliche Wirkung entfalten kann.
Gerade bei komplexeren Vorgängen kann dieser Vollzug mehrere Wochen oder sogar Monate dauern.
Welche Aufgaben übernimmt der Notar nach einem Immobilienkaufvertrag?
Beim Immobilienkauf übernimmt der Notar zahlreiche Tätigkeiten, die für einen sicheren Eigentumsübergang erforderlich sind.
Eintragung der Auflassungsvormerkung
Zu den ersten Schritten gehört regelmäßig die Eintragung einer Auflassungsvormerkung im Grundbuch.
Diese schützt den Käufer vor nachteiligen Verfügungen des Verkäufers.
Dadurch wird sichergestellt, dass die Immobilie nicht anderweitig verkauft oder belastet werden kann.
Einholung notwendiger Erklärungen
Der Notar holt sämtliche Unterlagen ein, die für den Vollzug des Kaufvertrages erforderlich sind.
Hierzu können gehören:
- Löschungsbewilligungen von Banken
- Genehmigungen von Behörden
- Erklärungen von Gemeinden
- Zustimmungen Dritter
Überwachung der Kaufpreisfälligkeit
Erst wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, informiert der Notar die Beteiligten über die Fälligkeit des Kaufpreises.
Diese sogenannte Fälligkeitsmitteilung stellt sicher, dass der Käufer erst zahlt, wenn die vertraglich vereinbarten Sicherungen bestehen.
Überprüfung der Kaufpreiszahlung
Seit Einführung des Barzahlungsverbots beim Immobilienkauf muss der Notar zusätzlich prüfen, ob die Kaufpreiszahlung gesetzeskonform erfolgt ist.
Hierzu können Nachweise verlangt werden, beispielsweise:
- Kontoauszüge
- Überweisungsbelege
- Bankbestätigungen
Antrag auf Eigentumsumschreibung
Nach vollständiger Kaufpreiszahlung beantragt der Notar die Umschreibung des Eigentums im Grundbuch.
Erst mit dieser Eintragung wird der Käufer rechtlich Eigentümer der Immobilie.
Welche Aufgaben hat der Notar nach einem Testament?
Auch bei Testamenten endet die Tätigkeit des Notars nicht mit der Beurkundung.
Registrierung im Zentralen Testamentsregister
Der Notar meldet notarielle Testamente an das Zentrale Testamentsregister der Bundesnotarkammer.
Dadurch wird sichergestellt, dass das Testament im Erbfall zuverlässig aufgefunden wird.
Amtliche Verwahrung
Zusätzlich wird das Testament regelmäßig in die besondere amtliche Verwahrung beim zuständigen Nachlassgericht gegeben.
Dies schützt die Urkunde vor Verlust, Manipulation oder Vernichtung.
Sicherung des letzten Willens
Die Registrierung und Verwahrung gewährleisten, dass der Wille des Erblassers im Todesfall berücksichtigt werden kann.
Welche Aufgaben hat der Notar bei einem Erbvertrag?
Erbverträge werden ähnlich behandelt wie notarielle Testamente.
Nach der Beurkundung übernimmt der Notar insbesondere:
- Registrierung im Zentralen Testamentsregister
- Übermittlung an das Nachlassgericht
- Organisation der amtlichen Verwahrung
Dadurch bleibt der Erbvertrag dauerhaft gesichert.
Welche Aufgaben übernimmt der Notar bei Gesellschaftsgründungen?
Auch bei Unternehmensgründungen endet die Tätigkeit des Notars nicht mit der Unterzeichnung.
Der Notar übernimmt unter anderem:
- Anmeldung zum Handelsregister
- elektronische Übermittlung der Unterlagen
- Prüfung der Registereintragung
- Kommunikation mit dem Registergericht
Erst mit der Eintragung werden viele Gesellschaftsformen rechtlich wirksam.
Warum ist der Vollzug durch den Notar so wichtig?
Der Gesetzgeber hat dem Notar bewusst eine zentrale Rolle übertragen.
Der Notar sorgt dafür, dass:
- gesetzliche Anforderungen eingehalten werden,
- Risiken minimiert werden,
- Fristen überwacht werden,
- Beteiligte geschützt werden,
- die Urkunde ihre gewünschte Rechtswirkung entfaltet.
Ohne diese Tätigkeiten wären viele Rechtsgeschäfte deutlich fehleranfälliger.
Wie lange dauert der Vollzug einer notariellen Urkunde?
Die Dauer hängt vom jeweiligen Rechtsgeschäft ab.
Immobilienkaufverträge
oft mehrere Wochen bis Monate
Testamente
Registrierung und Verwahrung erfolgen regelmäßig zeitnah nach der Beurkundung
Gesellschaftsgründungen
abhängig von der Bearbeitungsdauer des Registergerichts
Der Notar begleitet den gesamten Prozess bis zum rechtlichen Abschluss.
Häufig gestellte Fragen zu den Aufgaben des Notars nach der Beurkundung
Was macht der Notar nach einem Immobilienkaufvertrag?
Er veranlasst die Auflassungsvormerkung, holt erforderliche Erklärungen ein, überwacht die Kaufpreisabwicklung und beantragt die Eigentumsumschreibung.
Wann wird der Käufer Eigentümer einer Immobilie?
Erst mit der Eintragung im Grundbuch.
Was passiert mit einem notariellen Testament nach der Beurkundung?
Es wird beim Zentralen Testamentsregister registriert und regelmäßig in amtliche Verwahrung gegeben.
Überwacht der Notar die Kaufpreiszahlung?
Ja. Bei Immobilienkäufen kontrolliert der Notar die Voraussetzungen für die Kaufpreisfälligkeit und überwacht die ordnungsgemäße Abwicklung.
Warum dauert die Abwicklung nach dem Notartermin oft mehrere Wochen?
Weil verschiedene Genehmigungen, Registereintragungen und weitere rechtliche Schritte erforderlich sein können.
Kurz erklärt: Was macht ein Notar nach der Beurkundung?
Nach der Beurkundung übernimmt der Notar zahlreiche Aufgaben, um die Urkunde rechtlich umzusetzen. Beim Immobilienkauf gehören hierzu beispielsweise die Eintragung der Auflassungsvormerkung, die Überwachung der Kaufpreisabwicklung und die Beantragung der Eigentumsumschreibung. Bei Testamenten sorgt der Notar für die Registrierung und amtliche Verwahrung der Urkunde.